So analysierst du deine Branche, bevor du dich bewirbst
Ein Raster mit Schulnote 1 bis 6 zeigt dir, in welcher Branche du wertvoll bist.
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Eine Bewerbung ist meistens neutral gehalten — und damit ehrlich gesagt langweilig. Vor allem sagt sie dir eines nicht: wo du eigentlich hingehörst. Sie beschreibt dich sauber, sie listet Stationen und Qualifikationen. Aber sie war nie dafür gedacht, dir eine Richtung zu zeigen. Genau deshalb bewerben sich so viele breit und beliebig — Giesskanne statt Ziel.
Im letzten Schritt dieses Moduls hast du mit dem Radar auf den Arbeitsmarkt geschaut: nicht jeder Punkt am Himmel, sondern nur die wenigen Signale, die wirklich auf dich zukommen. Dort blieb eine Frage bewusst offen — welcher Trend zählt für meine Branche? Das klärst du jetzt. Wir drehen das Radar um: weg vom Himmel, hin zu deiner eigenen Landkarte.
Die Methode dreht die übliche Reihenfolge um. Statt vorwärts zu bewerben und zu hoffen, bewertest du zuerst den ganzen Markt gegen dich selbst — mit einer Schulnote von 1 bis 6 für jede einzelne Branche. Am Ende steht kein Bauchgefühl, sondern eine kurze Liste: die Branchen, in denen du wertvoll bist. Das ist Pareto in Reinform — ein Durchgang, der dir das planlose Streuen spart.
Warum die neutrale Bewerbung dir keine Richtung gibt
Die übliche Reihenfolge sieht so aus: Lebenslauf aktualisieren, Anschreiben anpassen, verschicken, hoffen. Und weil niemand weiss, wo es passt, verschickt man lieber mehr als weniger. Breit und beliebig.
Das Problem ist nicht die Qualität deiner Unterlagen. Das Problem ist die Richtung. Eine Bewerbung ist ein Selbstportrait — sie sagt, wer du bist. Sie sagt nicht, wohin du gehörst. Sie ist eine Antwort auf eine Frage, die dir jemand anders gestellt hat.
Die Frage, die dir keiner stellt, ist die davor: In welcher Branche bin ich eigentlich wertvoll? Solange die offen ist, ist jede Bewerbung ein Versuch. Und Versuche skaliert man dann eben über die Menge — genau das, was Kraft kostet und nichts bringt.
Eine Bewerbung beschreibt dich. Ein Raster zeigt dir die Richtung. Das eine ersetzt das andere nicht.
Deshalb drehen wir die Reihenfolge um. Erst bewerten, dann bewerben. Der ganze Rest dieses Artikels ist die Anleitung dazu.
Die zwei Listen, die längst bei dir liegen
Bevor du eine einzige Branche anschaust, brauchst du zwei Listen. Die gute Nachricht: Wenn du die Standortbestimmung mitgemacht hast, hast du beide schon.
Rohstoff A — deine Stärken. Die kommen aus der 33-Punkte-Übung. Und da geht es nicht um drei Stärken; drei kann jeder. Es geht um die lange, ehrliche Liste — die, bei der die Selbst-Werbung irgendwann aufhört und die Wahrheit anfängt.
Rohstoff B — deine Fähigkeiten. Die kommen aus der ehrlichen Bestandsaufnahme: Was kannst du fachlich, handwerklich, konkret? Welche Werkzeuge, welche Verfahren, welche Erfahrung?
Das ist nicht dasselbe, und die Unterscheidung trägt die ganze Methode:
- Stärken beschreiben, wie du arbeitest — beharrlich, strukturiert, im Gespräch stark.
- Fähigkeiten beschreiben, was du kannst — verhandeln, kalkulieren, ein System aufsetzen.
Du brauchst beides. Eine Branche kann deine Fähigkeiten dringend brauchen und trotzdem an deiner Arbeitsweise scheitern — und umgekehrt. Wer nur mit einer der beiden Listen bewertet, bewertet mit dem halben Bild.
Wichtig: Ohne diese zwei Listen ist das Raster später nur Bauchgefühl in Tabellenform. Fehlen sie dir, ist das dein erster Schritt — nicht das Verzeichnis.
Die ganze Branchenliste — nicht deine Wunschliste
Jetzt das Werkzeug: ein umfassendes Branchenverzeichnis. Also eine Liste, die wirklich alle Branchen aufführt — nicht die fünf, die dir gerade einfallen. Ich arbeite zum Beispiel mit der NOGA-Systematik des Bundesamts für Statistik — der offiziellen Schweizer Liste aller Wirtschaftszweige; jede vergleichbar vollständige Branchenliste erfüllt denselben Zweck.
Der springende Punkt ist die Vollständigkeit. Und der Reflex geht genau dagegen: Man will die Liste kürzen, bevor man anfängt. „Logistik? Nie im Leben.“ „Baunebengewerbe? Kenn ich nicht, weg damit.“
Wer so kürzt, bewertet am Ende nur noch die eigenen Vorurteile. Die Branchen, an die du nie gedacht hättest, sind genau die, wegen denen sich der ganze Durchgang lohnt. Deine Wunschliste kennst du schon — die hat dich bis hierher gebracht. Wenn sie gereicht hätte, würdest du diesen Artikel nicht lesen.
Kürze die Liste nicht, bevor du sie bewertest. Sonst bestätigt dir das Raster nur, was du ohnehin geglaubt hast.
Die Liste kommt also ungefiltert auf den Tisch. Gefiltert wird gleich — aber mit einer Note, nicht mit einem Reflex.
Schulnote 1 bis 6 — die Note, die dich zwingt
Das ist der Hebel, der die ganze Methode trägt. Du gehst die Liste durch und gibst jeder Branche eine Schulnote — auf genau eine Frage: Wie wertvoll bin ich für diese Branche?
- Note 1 — Da bin ich sehr wertvoll. Meine Stärken und Fähigkeiten sind genau das, was die brauchen.
- Note 2–3 — Passt gut bis brauchbar. Ich müsste mich strecken, aber es geht.
- Note 4–5 — Dünn. Ich wäre einer von vielen, ohne echten Vorsprung.
- Note 6 — Da passe ich überhaupt nicht rein. Klarer Ausschluss.
Beachte, worauf die Note nicht antwortet. Nicht „finde ich spannend“. Nicht „zahlt gut“. Nicht „wächst gerade“. Sondern: Was bin ich denen wert? Das ist eine unbequemere Frage — und die einzige, die dir hier weiterhilft.
Warum überhaupt eine Note, und kein Bauchgefühl? Weil eine Note dich zwingt, dich zu entscheiden. Ein Bauchgefühl darf schwammig bleiben, eine Zahl nicht. Du kannst keine „vielleicht“ in eine Spalte schreiben, in die eine Ziffer gehört.
„Interessant“ ist keine Bewertung. Eine 4 ist eine Bewertung.
Und jetzt der Teil, den kaum jemand nutzt: Die Sechser sind genauso wertvoll wie die Einser. Jeder starrt auf die guten Noten — dabei ist jede 6 eine Branche, für die du nie wieder eine Bewerbung schreibst. Nie wieder. Ausschluss ist Ertrag, und er ist der halbe Gewinn der Übung.
Wo deine Stärken auf echten Bedarf treffen
Jetzt hast du deine Einser und Zweier. Und jetzt beginnt der Teil, der wirklich Arbeit macht: das Knobeln.
Du nimmst jede top-bewertete Branche einzeln und machst die Gegenprobe: Braucht die überhaupt das, was ich mitbringe? Wo genau treffen meine Stärken und meine Fähigkeiten auf einen echten Bedarf — und nicht nur auf mein Interesse?
Dabei fällt die eine oder andere Eins wieder heraus. Das fühlt sich nach Rückschritt an, ist aber der Sinn der Übung: Ehrlich sein kostet dich hier zwanzig Minuten. In der Bewerbung kostet es dich Monate.
Und genau hier lauert dieselbe Falle wie bei der Stärken-Liste: Man rutscht beim Benoten in die Selbst-Werbung. Wenn am Ende fast alles eine 1 oder 2 ist, hast du nicht bewertet — du hast dir geschmeichelt. Ein Raster ohne Sechser ist kein Raster.
Am Ende steht kein Gefühl, sondern eine kurze Liste: die Branchen, in denen du wertvoll bist. Das ist der ganze Pareto-Hebel. Ein Durchgang — einmal, und ja, er dauert eine Weile — spart dir das planlose Streuen. Danach schreibst du weniger Bewerbungen, aber jede geht dorthin, wo du etwas zu bieten hast.
Du bewirbst dich nicht mehr breit und beliebig. Du bewirbst dich gezielt.
In 5 Schritten — direkt anwendbar
Typische Fehler — und wie du sie vermeidest
Die fünf Fallen, die aus deinem Raster wieder Bauchgefühl in Tabellenform machen:
Fazit
Eine Bewerbung sagt dir nicht, wo du hingehörst — das war nie ihre Aufgabe. Die Orientierung entsteht davor, mit drei Zutaten: deinen Stärken aus der 33-Punkte-Übung, deinen Fähigkeiten aus der Bestandsaufnahme und einem vollständigen Branchenverzeichnis. Dann eine Note von 1 bis 6 für jede einzelne Branche, ehrlich vergeben, Sechser inklusive. Was übrig bleibt, ist eine kurze Liste: die Branchen, in denen du wertvoll bist.
Mit dieser Methode und der Regel „ein Durchgang, dann gezielt“ hast du 90 Prozent selbst in der Hand. Die restlichen 10 Prozent sind der unbequeme Teil: die eigene Note ehrlich halten, wenn sie wehtut. Erkennen, wo Selbst-Werbung anfängt. Und die Gegenprobe wirklich machen, statt die Lieblingsbranche durchzuwinken.
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Wie lange dauert so ein Raster-Durchgang?
Rechne mit ein bis zwei Stunden für den ersten kompletten Durchgang — das ist ehrlich und es ist der Grund, warum ihn kaum jemand macht. Die Bewertung selbst geht schnell, das Knobeln bei den Top-Branchen dauert. Diese Zeit holst du beim ersten Mal wieder rein, wenn du zehn Bewerbungen nicht schreibst, die ohnehin nichts gebracht hätten.
Was mache ich, wenn ich keine 33-Punkte-Liste habe?
Dann ist das dein erster Schritt — nicht das Branchenverzeichnis. Ohne Stärken und Fähigkeiten benotest du nach Stimmung, und das Raster wird zur Attrappe. Die Übung ist im Lernvideo Wie du deine Stärken findest, ohne dich zu belügen beschrieben. Eine erste brauchbare Liste hast du an einem Abend.
Welches Branchenverzeichnis soll ich nehmen?
Jede Liste, die wirklich vollständig ist. Ich arbeite mit der NOGA-Systematik des Bundesamts für Statistik, weil sie die komplette Bandbreite der Schweizer Wirtschaftszweige abbildet — aber es geht nicht um diese eine Quelle. Entscheidend ist nur, dass die Liste breiter ist als dein Vorstellungsvermögen. Eine Liste mit zwanzig Branchen, die du selbst zusammengestellt hast, erfüllt den Zweck nicht.
Was ist, wenn fast alle Branchen eine 3 oder 4 bekommen?
Dann bewertest du zu vorsichtig — die Mitte ist die bequemste Note. Zwing dich zur Kante: Bei jeder 3 und 4 fragst du nochmal, ob es nicht eigentlich eine 2 oder eine 5 ist. Ein Raster ohne Ausschläge sortiert nichts, und genau das Sortieren ist sein einziger Zweck.
Ist das nicht dasselbe wie eine Stellenanzeige richtig zu lesen?
Nein, das sind zwei verschiedene Ebenen. Hier bewertest du ganze Branchen, bevor du überhaupt eine Anzeige öffnest — es geht um die Richtung. Einzelne Stellenanzeigen zu entschlüsseln, wie HR sie gemeint hat, ist ein eigener Schritt und kommt später im Modul. Erst weisst du, wohin. Dann liest du, was dort ausgeschrieben ist.
Muss ich das Raster wiederholen?
Nicht ständig, aber es ist kein Denkmal. Deine Stärken- und Fähigkeiten-Listen wachsen im Quartalsrhythmus — wenn sich die Rohstoffe spürbar verändert haben, lohnt sich ein neuer Durchgang. Der zweite geht deutlich schneller als der erste, weil die Sechser stehen bleiben.
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Was im Paket enthalten ist
- PDF-Arbeitsblatt: Das Branchen-Raster (Branche · Schulnote 1–6 · Begründung in einem Satz) zum Ausfüllen
- Vorlage: Gegenprobe für die Top-Branchen plus Fünf-Sätze-Feld für deine beste Branche
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