Karriere-Werkstatt 7 Min Lesezeit 27. Mai 2026 Smart not Hard

So entdeckst du deine blinden Flecken, bevor der Chef es tut

Finde, was alle ausser dir sehen — bevor es im Mitarbeitergespräch teuer wird.

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Die meisten Menschen entdecken ihren grössten blinden Fleck zum teuersten Zeitpunkt: im Mitarbeitergespräch, wenn der Chef ihn ausspricht. In dem Moment ist es kein Hinweis mehr, sondern ein Urteil.

Mir ist das selbst passiert — nach Jahren im Vertrieb und obwohl ich meine Selbstreflexion längst zur Routine gemacht hatte. Ich war überzeugt, dass ich richtig gut zuhören kann. Eine einzige Übung hat mir gezeigt: die Fähigkeit hatte ich, aber ich nutzte sie viel zu selten. Das ist die Tücke am blinden Fleck — du kennst ihn per Definition nicht, sonst wäre er keiner.

In diesem Artikel bekommst du den ganzen Mechanismus: was ein blinder Fleck wirklich ist, die zwei Voraussetzungen, ohne die du keinen einzigen echten findest, die eine Frage, die ehrliche Antworten bringt — und warum das kein Einmal-Job ist.

Was ein blinder Fleck wirklich ist

Ein blinder Fleck ist nicht eine Schwäche, die du kennst und versteckst. Es ist etwas, das alle ausser dir an dir sehen — und das dir selbst völlig verborgen bleibt.

Das passende Bild ist der Seitenspiegel im Auto. Er zeigt dir fast alles, was hinter dir passiert. Aber es gibt eine Zone — den toten Winkel — die er strukturell nie zeigt. Du kannst noch so oft hinschauen: was dort ist, siehst du im Spiegel nie.

Genauso funktioniert deine Selbstwahrnehmung. Du kannst stundenlang allein nachdenken — in deinen toten Winkel kommst du allein nie. Das ist keine Frage von Disziplin oder Intelligenz. Es ist strukturell.

Ohne Fundament siehst du nur das Grobe

Damit du überhaupt feine blinde Flecken erkennen kannst, brauchst du ein Fundament: einige Monate ehrliche Selbstreflexion. Die 33-Punkte-Liste aus der Folge über deine Stärken ist genau dieses Fundament — hier setze ich sie voraus, statt sie neu zu erklären.

Der Grund ist einfach: Wer noch nie systematisch über sich nachgedacht hat, dem fehlt der Massstab, um zu merken, dass überhaupt etwas fehlt. Ohne Grundlage siehst du nur die offensichtlichen Sachen — die feinen, teuren blinden Flecken bleiben unsichtbar.

Erst Monate die Liste, dann blinde Flecken. Umgekehrt findest du nur das Offensichtliche.

Du brauchst einen zweiten Spiegel

Die zweite Voraussetzung ist ein Mensch — und zwar einer, der zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt: Er kennt dich gut, und du glaubst ihm wirklich.

Beide Bedingungen sind nötig. Kennt dich jemand nicht gut genug, sieht er deinen toten Winkel gar nicht. Glaubst du der Person nicht, prallt die Wahrheit ab — du erklärst sie weg, statt sie anzunehmen. Diese Person ist dein zweiter Spiegel: die einzige Quelle, die in genau den Winkel schaut, den du selbst nie siehst.

Wichtig: Wähle bewusst eine Person. Nicht zehn Meinungen einsammeln — das verwässert nur. Tiefe schlägt Menge.

Die richtige Frage — und das Aushalten danach

Die Frage entscheidet über die Qualität der Antwort. Frag nicht „Was sind meine Schwächen?“ — darauf bekommst du Floskeln oder Schonung. Frag konkret und situativ:

  • „Wo erlebst du mich anders, als ich mich selbst beschreibe?“
  • „In welcher Situation hast du gedacht: schade, dass er das gerade nicht sieht?“

Und dann kommt das Schwerste: zuhören, nicht verteidigen. In der Sekunde, in der du dich rechtfertigst, macht die Person beim nächsten Mal dicht. Du willst die Wahrheit — also halte sie aus, statt sie zu kommentieren.

Warum du nie ganz fertig bist

Blinde Flecken sind kein Einmal-Job. Rolle, Umfeld und Erfahrung verändern sich — und mit ihnen tauchen neue weisse Flecken auf. Genau das ist mir passiert: Trotz Jahren Reflexion wurde plötzlich etwas sichtbar, das vorher nicht da zu sein schien.

Deshalb bau einen Rhythmus ein: Stell deiner Spiegel-Person zweimal im Jahr dieselbe Frage. Was vor einem Jahr noch unsichtbar war, wird mit neuer Erfahrung sichtbar. Das ist der Unterschied zwischen einer einmaligen Erkenntnis und echter Selbstkenntnis.

In 5 Schritten — direkt anwendbar

Fundament prüfen
Hast du die 33-Punkte-Liste seit mindestens einigen Monaten gemacht? Wenn nein, starte dort — sonst siehst du nur das Offensichtliche.
Spiegel-Person wählen
Eine Person, die dich gut kennt UND der du wirklich glaubst. Beide Bedingungen müssen stimmen — nicht zehn Leute, sondern eine.
Konkrete Frage formulieren
Schreibe eine situative Frage auf, z.B. „Wo erlebst du mich anders, als ich mich selbst beschreibe?“ — nicht „Was sind meine Schwächen?“.
Fragen und nur zuhören
Stell die Frage und halte die Antwort aus. Nicht erklären, nicht relativieren, nicht verteidigen. Notiere dir, was du hörst.
Wiederhol-Termin setzen
Trage dir zwei Termine pro Jahr ein, um dieselbe Frage erneut zu stellen. Neue Flecken wachsen nach.

Typische Fehler — und wie du sie vermeidest

Die fünf Fallen, die bei dieser Übung am häufigsten passieren:

Die falsche Frage stellen
„Was sind meine Schwächen?“ liefert nur Floskeln und Schonung. Frag konkret und situativ, sonst bekommst du eine höfliche Nicht-Antwort.
Jemanden fragen, dem du nicht glaubst
Wenn du der Person nicht vertraust, prallt die Wahrheit ab — du erklärst sie weg. Die Glaubwürdigkeit ist genauso wichtig wie die Nähe.
In Verteidigung gehen
Wer sich rechtfertigt, sorgt dafür, dass die Person beim nächsten Mal nichts mehr sagt. Zuhören ist die ganze Übung — nicht reagieren.
Ohne Fundament starten
Ohne Monate Selbstreflexion fehlt der Massstab. Du siehst dann nur das Grobe und verpasst die feinen, teuren blinden Flecken.
Einmal machen und abhaken
Blinde Flecken wachsen nach. Wer nur einmal hinschaut, hält einen Schnappschuss für die ganze Wahrheit — und übersieht alles Neue.

Fazit

Dein grösster blinder Fleck ist nicht versteckt — er ist für dich unsichtbar, während andere ihn längst sehen. Selbstreflexion allein erreicht ihn nie, weil sie strukturell einen toten Winkel hat. Es braucht keine zehn Ratgeber, sondern zwei Dinge: ein Fundament aus Monaten ehrlicher Reflexion und eine Person, die dich kennt und der du glaubst.

Den ganzen Mechanismus hast du jetzt — das sind die 90 %, die ich dir gerne schenke. Die restlichen 10 % sind der ehrliche Aussenblick selbst: jemand, der dir die Wahrheit sagt, ohne im Kollegen- oder Familien-Filter zu sitzen. Genau da kommt Coaching ins Spiel.

Im kostenlosen Erstgespräch bin ich genau diese externe Spiegel-Person — ohne soziale Rücksicht, dafür mit dem Blick von aussen. Buch dir ein Erstgespräch, wenn du wissen willst, was in deinem toten Winkel liegt.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem blinden Fleck und einer Schwäche?

Eine Schwäche kennst du — du kannst sie benennen, verstecken oder daran arbeiten. Einen blinden Fleck kennst du per Definition nicht: Er ist das, was andere an dir sehen, dir selbst aber verborgen bleibt. Deshalb kommst du allein nie ran und brauchst eine Aussensicht.

Wen soll ich fragen — und was, wenn ich niemanden habe, dem ich das zutraue?

Ideal ist eine Person, die dich gut kennt und der du wirklich glaubst — privat oder beruflich. Wenn dir niemand einfällt, der beide Bedingungen erfüllt, ist genau das ein wertvoller Hinweis. Ein neutraler Aussenblick von ausserhalb deines Umfelds kann diese Rolle übernehmen; im Erstgespräch bin ich genau diese Person ohne sozialen Filter.

Welche Frage stelle ich genau?

Eine konkrete, situative Frage statt einer allgemeinen. Bewährt: „Wo erlebst du mich anders, als ich mich selbst beschreibe?“ oder „In welcher Situation hast du gedacht: schade, dass er das gerade nicht sieht?“. Die Frage zwingt zu einem Beispiel statt zu einer Floskel.

Brauche ich wirklich erst Monate die 33-Punkte-Liste?

Ja, sonst siehst du nur das Offensichtliche. Die Liste baut den Massstab auf, mit dem du feine Abweichungen zwischen Selbst- und Fremdbild überhaupt erkennst. Ohne dieses Fundament bleibt die Rückmeldung an der Oberfläche.

Wie oft sollte ich das wiederholen?

Etwa zweimal im Jahr. Blinde Flecken sind nicht statisch: Mit neuer Rolle, neuem Umfeld und neuer Erfahrung entstehen neue. Ein fester Rhythmus verhindert, dass du einen alten Schnappschuss für die ganze Wahrheit hältst.

Was tue ich, wenn die Rückmeldung wehtut oder ich sie für falsch halte?

Zuerst aushalten und nichts erklären — gerade die Rückmeldungen, die wehtun, zeigen oft direkt auf den toten Winkel. Du musst sie nicht sofort akzeptieren. Notiere sie, lass sie ein paar Tage wirken und prüfe sie an konkreten Situationen. Verteidigung dagegen sorgt nur dafür, dass du beim nächsten Mal nichts mehr erfährst.

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Was im Paket enthalten ist

  • PDF-Arbeitsbuch mit Spiegel-Person-Methode als Vorlage
  • Fragen-Set für das Gespräch (situativ, nicht allgemein)
  • Halbjahres-Tracker für die wiederkehrende Rückmeldung

9 EUR · einmalig · ohne Abo

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