Vertrieb & Kommunikation 8 Min Lesezeit 4. Juni 2026 Smart not Hard

Warum Wie-geht-s am Telefon dein Ende sein kann

Ersetze die leere Floskel durch die eine erste Frage, die dir ein echtes Ja bringt.

Video-Vorschau: Warum Wie-geht-s am Telefon dein Ende sein kann

YouTube-Video wird erst beim Klick geladen · cookie- & trackingfrei bis zur Interaktion

Du wählst die Nummer, der Kunde nimmt ab, und du startest freundlich: «Hi, wie geht's?» Genau mit diesem Einstieg habe ich mir vor vielen Jahren eine wüste Schimpftirade eingefangen. Der Mann war richtig wütend — und er hatte in allen Punkten recht: Ich störte ihn. Ich kannte ihn gar nicht. Und «wie geht's» fragt man so nicht.

Das Frustrierende an dieser Frage: Sie fühlt sich höflich an — und kostet dich trotzdem das Gespräch. Denn das Sympathie-Urteil deines Gegenübers fällt in den ersten Sekunden, und eine Floskel in Sekunde zwei ist das lauteste Signal, das du senden kannst: Hier liest jemand ein Verkäufer-Skript ab.

In diesem Artikel bekommst du die ganze Geschichte, die vier Gründe, warum «Wie geht's?» am kalten Telefon zuverlässig floppt — und den Pareto-Hebel: eine einzige erste Frage mit echtem Zweck, die du heute Nachmittag anwendest.

Eine Schimpftirade, die mehr wert war als jedes Seminar

Vor vielen Jahren rief ich einen Kunden an. Mein Einstieg: «Hi, wie geht's?» Was dann kam, habe ich bis heute nicht vergessen. Der Mann wurde richtig wütend und machte mich zusammen — mit drei Punkten:

  1. Ich störe ihn. Er hatte zu tun, und mein Anruf kam ungefragt.
  2. Ich kenne ihn gar nicht. Wir hatten noch nie miteinander gesprochen.
  3. «Wie geht's» fragt man so nicht. Nicht einen Fremden, nicht am Telefon, nicht als Verkäufer.

Danach folgte eine Schimpftirade, die sich gewaschen hatte. Aufgelegt. Das war unangenehm — aber es war die beste Vertriebslektion meines Lebens. Denn der Mann hatte recht: Die falsche erste Frage kostet dich das Gespräch in den ersten Sekunden. Seit diesem Tag stelle ich am Telefon nur noch Fragen, die einen echten Zweck haben.

Warum «Wie geht's?» am kalten Telefon floppt

Vier Gründe, warum diese Frage so zuverlässig schiefgeht:

  1. Es ist eine Floskel. «Wie geht's» fragt man eigentlich nur Leute, die man kennt. Bei einem Fremden klingt es falsch — und der Fremde hört das sofort.
  2. Null Information. Die Standardantwort ist sowieso «ja, gut» — in der Schweiz oft nur ein «hi». Du erfährst nichts, der Kunde erfährt nichts.
  3. Die Ja-Strasse. Die Frage zwingt den Kunden zu einem erzwungenen Ja — der alte Verkäufer-Trick, der Richtung Abschluss manipulieren soll. Der Kunde spürt das.
  4. Es schreit Verkäufer-Skript. Und genau das kippt die Sympathie.

In «Die ersten 30 Sekunden entscheiden alles» haben wir gesehen: Das Sympathie-Urteil fällt in den Sekunden null bis zehn — gefällt, bevor du den Nutzen genannt hast. «Wie geht's?» kommt in Sekunde zwei. Es ist das erste Beweisstück, das dein Gegenüber zu hören bekommt — und es sagt aus: Floskel, Skript, Verkäufer.

Die erste Frage braucht einen echten Zweck

Die Lösung ist kein besserer Trick, sondern ein Prinzip: Die erste Frage muss sinnvoll sein. Sinnvoll heisst: Sie hat einen echten Zweck — und sie zeigt Respekt vor dem anderen.

In «Der Eröffnungs-Satz, der wirklich funktioniert» war der Hebel: 80 Prozent deiner Wirkung am Telefon kommen aus deiner Stimmung, nur 20 Prozent aus deinen Worten. Heute geht es um genau diese 20 Prozent — und dort um das kleinste, schwerste Teil: die allererste Frage.

Zur Abgrenzung: Das hier ist nicht der Honest-Opener aus den ersten 30 Sekunden — da ging es um das ganze 30-Sekunden-Gerüst. Und es ist auch nicht die Wunder-Frage aus «So stellst du Fragen, die der Kunde sonst nie gestellt bekommt» — die gehört in die lockere Gesprächsmitte. Hier geht es um Sekunde null: die eine Frage direkt nach der Begrüssung.

Der Test ist simpel: Hat die Antwort eine Konsequenz für das Gespräch? Wenn nein — weg mit der Frage.

«Guten Tag, hören Sie mich gut?» — eine Frage, drei Effekte

Meine erste Frage am Telefon, seit der Schimpftirade:

«Guten Tag, hören Sie mich gut?»

Eine Frage, drei Effekte:

  1. Sie prüft die Leitung. Headset, Kopfhörer, Empfang, Internetleitung — es gibt tausend Gründe, warum man sich schlecht hört. Die Antwort hat eine echte Konsequenz: Hört er mich schlecht, verpufft alles, was ich danach sage.
  2. Sie schafft ein echtes erstes Ja. Keines, das erzwungen ist — eines, das eine ehrliche Information trägt.
  3. Sie gibt dem anderen die Kontrolle. Er entscheidet, ob die Verbindung gut genug ist, um zu sprechen. Das ist Respekt, den man hören kann.

Das ist der Pareto-Hebel in einem Satz: Du ersetzt die leere Floskel durch eine sinnvolle erste Frage — minimale Änderung, maximale Wirkung auf den Gesprächsstart.

Dein Gesprächsstart in drei Bausteinen — und was du streichst

So klingt der neue Einstieg konkret:

«Guten Tag, hier ist [Vorname Nachname] von [Firma]. Hören Sie mich gut?»

Dann gibt es zwei Wege — und beide sind ein sauberer Gesprächsstart:

  1. Der Kunde sagt Ja → du gehst direkt zu deinem Anliegen. Kein Umweg, keine weitere Floskel.
  2. Der Kunde sagt Nein → ihr klärt zuerst die Technik und testet nochmal, bis sich beide gut hören. Auch das baut Beziehung: Ihr habt gerade gemeinsam ein kleines Problem gelöst.

Und was du streichst: «Wie geht's?» komplett — bei jedem, den du nicht kennst. Prüfe auch «Störe ich gerade?» — die Frage lädt zum Reflex-Nein ein, und ihr Zweck ist dünn. Wichtig: «Hören Sie mich gut?» funktioniert nur, wenn du die Antwort ernst nimmst. Wer bei «Nein, schlecht» einfach weiterredet, hat aus der sinnvollen Frage die nächste Floskel gemacht.

In 5 Schritten — direkt anwendbar

Floskel-Inventur machen
Schreib die ersten zwei Sätze deiner letzten zehn Anrufe auf und markiere jede Frage, deren Antwort keine Konsequenz für das Gespräch hatte — «Wie geht's?», «Alles klar bei Ihnen?», «Störe ich gerade?».
«Wie geht's?» streichen
Komplett raus bei jedem, den du nicht kennst. Bei Bestandskunden mit echter Beziehung darfst du die Frage behalten — dort ist sie echt gemeint.
Den neuen Einstieg üben
Begrüssung + Name + Firma + «Hören Sie mich gut?» — zehnmal laut sprechen, bis der Satz selbstverständlich klingt und nicht auswendig gelernt.
Die Antwort ernst nehmen
Bei Ja direkt zum Anliegen. Bei Nein zuerst die Technik klären — Headset, Empfang, Leitung — und nochmal testen, bis sich beide gut hören.
Nach zehn Anrufen Bilanz ziehen
Wie oft kam ein echtes, ehrliches Ja? Wie hat sich der Einstieg angefühlt? Führe eine einfache Strichliste — deine eigene Quote ist die Referenz, nicht meine.

Typische Fehler — und wie du sie vermeidest

Die fünf Fallen, in die fast jeder tappt:

«Wie geht's?» bei Fremden
Die Frage gehört zu Menschen, die man kennt. Beim kalten Anruf ist sie eine Floskel, die null Information bringt und dich Sympathie kostet — bevor du etwas gesagt hast.
Ja-Strassen bauen
Fragen wie «Sie wollen doch auch Kosten sparen, oder?» erzwingen Jas, die Richtung Abschluss schieben sollen. Der Kunde spürt die Absicht und macht zu — jedes erzwungene Ja macht das echte Ja unwahrscheinlicher.
«Störe ich gerade?» als Höflichkeits-Ersatz
Die Frage lädt zum Reflex-Nein ein und hat kaum einen echten Zweck. Wer ungelegen anruft, merkt das auch ohne diese Einladung zum Abwimmeln.
Die Antwort ignorieren
Wer auf «Nein, ich höre Sie schlecht» einfach lauter weiterredet, macht aus «Hören Sie mich gut?» die nächste Floskel. Die Frage funktioniert nur, wenn die Antwort eine echte Konsequenz hat.
Nach dem Ja in den Pitch stürzen
Das echte erste Ja ist ein Gesprächsstart, kein Startschuss für den Monolog. Nach dem Ja kommt dein Anliegen in ein, zwei Sätzen — und dann gehört das Gespräch wieder dem Kunden.

Fazit

Der Kernsatz dieser Lektion: «Wie geht's fragt man Leute, die man kennt — am kalten Telefon ist es eine Floskel, die dich Sympathie kostet, bevor du etwas gesagt hast.» Die Lösung ist keine Technik, sondern ein Prinzip: Die erste Frage braucht einen echten Zweck. «Guten Tag, hören Sie mich gut?» prüft die Leitung, schafft ein echtes erstes Ja und gibt dem anderen die Kontrolle — Respekt, den man hören kann.

Das ist die 90-Prozent-Hälfte: Floskel-Inventur, neuer Einstieg, der Konsequenz-Test für jede erste Frage. Die restlichen 10 Prozent — den neuen Einstieg unter Druck abrufen, wenn das Herz beim Wählen klopft, und ihn an deine Branche anpassen — sind Training.

Wenn du diese 10 Prozent nicht allein angehen willst: Genau da kommt Coaching ins Spiel. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns deinen Gesprächseinstieg an — 30 Minuten, dein echter Anruf-Alltag, keine Theorie. Termin buchen — und das erste, was du am Telefon von mir hörst, ist: «Guten Tag, hören Sie mich gut?»

Bereit für einen besseren Gesprächseinstieg?

Buch dir ein kostenloses 30-Minuten-Erstgespräch — ich schaue mir mit dir deinen echten Anruf-Alltag an, keine Theorie.

Kostenloses Erstgespräch buchen

Häufige Fragen

Ist «Hören Sie mich gut?» nicht auch nur eine Floskel?

Nein — und das ist der entscheidende Unterschied: Die Frage hat einen echten Zweck. Headsets, Kopfhörer, Funklöcher und Internetleitungen sind reale Fehlerquellen, und die Antwort hat eine Konsequenz: Bei Ja sprecht ihr, bei Nein klärt ihr zuerst die Technik. Eine Floskel ist eine Frage, deren Antwort egal ist — hier ist sie es nicht.

Was mache ich, wenn der Kunde auf «Hören Sie mich gut?» mit Nein antwortet?

Genau das, wofür die Frage da ist: Technik klären. Headset prüfen, näher ans Mikrofon, notfalls neu anrufen — und dann nochmal testen, bis sich beide gut hören. Das kostet 20 Sekunden und baut sogar Beziehung auf: Ihr habt gemeinsam ein kleines Problem gelöst, bevor es ums Geschäft geht.

Darf ich «Wie geht's?» bei Bestandskunden fragen?

Ja — denn dort ist die Frage echt. «Wie geht's» fragt man Leute, die man kennt, und einen Bestandskunden mit gewachsener Beziehung kennst du. Die Floskel-Falle gilt für den kalten Anruf: Bei einem Fremden klingt die Frage falsch, und er hört das sofort.

Und was ist mit «Störe ich gerade?» — ist das nicht höflich?

Gut gemeint, aber meist kontraproduktiv: Die Frage lädt zum Reflex-Nein ein und gibt dem Kunden einen Ausstieg, bevor er weiss, worum es geht. Wende den gleichen Test an wie bei jeder ersten Frage: Hat die Antwort eine echte Konsequenz für das Gespräch? Bei «Störe ich gerade?» ist die Antwort fast immer ein höfliches «Nein, schon okay» — also null Information.

Funktioniert «Hören Sie mich gut?» auch in Video-Calls?

Erst recht. In Video-Calls sind Technikprobleme noch häufiger als am Telefon — stumm geschaltete Mikrofone, hallende Räume, instabile Verbindungen. Die Frage zu Beginn spart allen Beteiligten die peinlichen ersten zwei Minuten («Hören Sie mich? Ich sehe Sie, aber…») und startet das Gespräch sauber. Wenn du deinen Gesprächseinstieg gezielt trainieren willst: Buch ein kostenloses Erstgespräch.

Lieber als PDF mitnehmen?

Den vollständigen Inhalt dieser Seite gibt es zusätzlich als strukturiertes PDF-Paket — zum Offline-Lesen, Markieren und Weitergeben im Team. Eine reine Komfort-Leistung. Der gesamte Inhalt bleibt weiter kostenlos auf dieser Seite — kein Login, keine Paywall, kein versteckter Bezahl-Inhalt.

Was im Paket enthalten ist

  • PDF-Spickzettel: Die erste Frage + der Konsequenz-Test
  • Floskel-Inventur-Vorlage zum Ausfüllen
  • Direkt-Link zur ungelisteten Langversion des Videos

9 EUR · einmalig · ohne Abo

Auf CopeCart öffnen →

Abwicklung über CopeCart GmbH (DE) als Merchant of Record. Details in AGB §12.