Lernmodul 8 Min Lesezeit 18. August 2026 Smart not Hard

Dein erstes lokales Modell: Welches du wählst und warum

Nach dieser Seite hast du dein erstes lokales Modell gewählt — in zwei Schritten.

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«Und welches nehme ich jetzt?» Das ist die erste Frage, die kommt, sobald lokale KI auf dem eigenen Gerät läuft. Sie klingt nach einer Frage mit einer Antwort — nach einem Namen, den einem jemand nennen könnte. Genau das ist sie nicht.

Denn die ehrliche Antwort besteht aus zwei Teilen, und keiner davon ist ein Name: Es gibt nicht das eine gute Modell. Es gibt das passende für eine Aufgabe — und dein Arbeitsspeicher entscheidet, wie gross es sein darf. Wer das einmal getrennt hat, hört auf zu vergleichen und fängt an zu arbeiten.

Dieser Artikel ist Lektion 4 von 5 im Lehrgang «Lokale KI mit Ollama» und löst zwei Versprechen aus der letzten Lektion ein: dort hiess es, wir klären, welches Modell für dich das richtige ist — und du solltest nachschauen, wie viel Arbeitsspeicher dein Gerät hat. Diese Zahl brauchst du gleich im ersten Abschnitt.

Die Zahl, die du mitgebracht hast

In der ersten Lektion dieses Lehrgangs stand ein Satz, der ab hier zur Arbeitsanweisung wird: «Ab jetzt kannst du zwei Fragen sauber auseinanderhalten: Welches Modell will ich — und womit lasse ich es laufen?» Die zweite Frage ist beantwortet. Diese Lektion beantwortet die erste.

Der Ausgangspunkt ist deine Arbeitsspeicher-Zahl. Entscheidend ist, was sie nicht ist: Sie ist keine Note — sie ist eine Obergrenze. Sie sagt nicht, welches Modell für dich das richtige ist. Sie sagt, wie gross es höchstens sein darf.

Das ist eine andere Frage als in Lektion 2. Dort ging es darum, was dein Gerät kann. Hier geht es darum, was du darauf auswählst. Deshalb enthält dieser Artikel keine Geräteempfehlung und keine Kaufberatung — die Hardware-Frage ist abgeräumt, und was du hast, hast du.

Wenn du die Zahl nicht zur Hand hast: Sie steht in den Systeminformationen deines Geräts, unter Arbeitsspeicher oder RAM. Notiere sie einmal — du brauchst sie danach nie wieder nachzuschlagen.

Was die Zahl im Modellnamen bedeutet

Modellnamen sehen kryptisch aus. Sie sind es nicht. Da steht ein Name, und dahinter eine Zahl mit einem B: 8B, 14B, 70B.

Das B steht für Milliarden. Die Zahl sagt, aus wie vielen Milliarden Parametern das Modell besteht. Parameter sind, stark vereinfacht, die Stellschrauben des Modells — mehr Stellschrauben bedeuten eine grössere Datei. Das ist der einzige Fachbegriff, den du in dieser Lektion brauchst.

Und aus dieser einen Zahl lässt sich der Platzbedarf abschätzen. In der Standard-Kompression, in der Ollama Modelle ausliefert, gilt als Faustregel:

0,6 – 0,7 GB pro Milliarde Parameter

8B-Modell  →  rund 5 GB
            +  Luft fuer alles andere auf dem Geraet

Prüfen kannst du das jederzeit selbst: In der Modellübersicht von Ollama steht bei jeder Ausgabe die Dateigrösse daneben. Ein 7B-Modell liegt dort bei rund 4,4 Gigabyte — das sind 0,63 Gigabyte pro Milliarde Parameter und damit genau die Faustregel.

Und die Luft ist kein Sicherheitszuschlag ins Blaue. Ollama braucht neben der Modelldatei Speicher für den Text, den das Modell gleichzeitig im Blick behalten soll — je mehr davon, desto mehr Speicher. Deshalb rechnest du nie bis an die Kante.

Das ist eine Faustregel, kein exakter Wert — und es ist die einzige Rechnung in diesem Artikel. Sie reicht vollkommen: Damit weisst du in zehn Sekunden, ob ein Modell auf dein Gerät passt oder nicht. Passt es nicht, brauchst du gar nicht weiterzulesen, was es angeblich kann.

Die Aufgabe entscheidet, nicht die Rangliste

Hier biegen die meisten falsch ab. Sie suchen das beste Modell — und diese Frage hat keine Antwort.

Denk an deinen Werkzeugkasten. Dort fragt niemand nach dem besten Werkzeug. Man fragt: Was habe ich vor? Für eine Schraube nimmst du keinen Hammer, nicht weil der Hammer schlecht wäre, sondern weil er für etwas anderes gebaut ist. Bei Modellen ist es dasselbe.

  • Alltagstext — Mails, Zusammenfassungen, Formulierungen: der Standardfall, und für die meisten der einzige Fall.
  • Zahlen und Rechnen — dafür gibt es eigene Ausgaben, die das Aufgabenwort math im Namen tragen.
  • Lange Dokumente — andere Anforderung als eine kurze Mail, weil mehr Text gleichzeitig im Blick bleiben muss.
  • Code — eine eigene Spur, erkennbar am Aufgabenwort coder im Namen.

Das erkennst du am Namen — und zwar nicht an der Familie, sondern am Wort im Namen. Der Name hat drei Teile: die Familie, die Aufgabe und eine Nummer. Familien sind Llama, Qwen, Gemma, Hermes. Die Aufgabe steht als Wort daneben: Steht dort coder, ist es für Code gebaut; steht dort math, fürs Rechnen; steht gar kein Aufgabenwort, ist es für Alltagstext — und das ist der Fall, den die meisten brauchen.

Merk dir die Familie und das Aufgabenwort, nicht die Nummer dahinter. Die Nummer ist in einem halben Jahr eine andere; die beiden anderen bleiben. Aus demselben Grund steht in diesem Artikel keine Versionsempfehlung: Sie wäre veraltet, bevor du sie brauchst.

Der Platzhalter aus Lektion 3 wird aufgelöst

In der letzten Lektion stand der Satz: «Nimm für den Moment einfach das erste, das dir vorgeschlagen wird.» Das war bewusst ein Platzhalter — er sollte dich nicht in eine Auswahl schicken, bevor überhaupt etwas lief. Hier ist die Auflösung.

  1. Rechne, was passt. Arbeitsspeicher minus das, was dein Gerät ohnehin braucht, geteilt durch 0,7. Das Ergebnis ist die grösste Parameterzahl in Milliarden, die realistisch läuft.
  2. Nimm eines, dessen Name zu deiner häufigsten Aufgabe passt. Steht kein Aufgabenwort drin, ist es der Alltagsfall. Und gemeint ist nicht die Aufgabe, die du dir für später vorstellst — sondern die, die du diese Woche dreimal hattest.
  3. Lade genau eines und arbeite damit. Kein Vergleich, keine Testreihe, keine Liste zum Abarbeiten.

Mehr ist es nicht. Und danach gilt derselbe Satz wie beim Installieren, nur eine Ebene weiter: Wechsle erst, wenn dich etwas stört. Nicht, wenn du irgendwo liest, es gebe etwas Besseres — sondern wenn dich in deiner eigenen Arbeit konkret etwas stört.

Der Grund ist derselbe wie beim Konfigurieren: Wer vorher wechselt, optimiert gegen ein Problem, das er noch gar nicht hat. Und verliert dabei die Aufgabe aus dem Blick, für die er das Ganze aufgesetzt hat.

Angefangen hat es mit einem einzigen

Zum Schluss der Teil, der die Sache leichter macht — aus der eigenen Praxis.

Beim allerersten Mal lief hier ein Llama-Modell, und es lief schleppend. Trotzdem war es ein Meilenstein: zum ersten Mal eine KI auf der eigenen Maschine. Es hat sich angefühlt wie Jarvis bei Iron Man. Gemacht wurde damit dann ein bisschen Text. Mehr nicht.

Heute läuft hier für jede Aufgabe ein anderes Modell: die Qwen-Reihe für laufende Projekte, die Gemma-Reihe für private Schriftstücke, ein eigenes Rechen-Modell für Zahlen, Hermes für den eigenen Assistenten. Aber angefangen hat es mit einem einzigen, langsamen.

Für Wissensdatenbanken und ähnliche Aufbauten gibt es übrigens eigene Spezialmodelle — das ist ein Thema für später, und es ändert an dieser Lektion nichts.

Wer heute anfängt, steht nicht vor einer Auswahl, sondern vor einem Anfang. Ein Modell reicht. Die Vielfalt kommt von selbst, sobald konkrete Aufgaben danach verlangen — und dann weisst du auch, wonach du suchst.

In 5 Schritten — direkt anwendbar

Die Zahl bereitlegen
Arbeitsspeicher deines Geräts nachschauen und notieren. Diese Zahl ist ab jetzt deine Obergrenze — sie wird nicht neu diskutiert, sie wird verwendet.
Die Obergrenze ausrechnen
Arbeitsspeicher minus das, was dein Gerät im Alltag ohnehin braucht, geteilt durch 0,7. Das Ergebnis ist die grösste Parameterzahl in Milliarden, die realistisch läuft. Einmal rechnen, aufschreiben, fertig.
Die häufigste Aufgabe in einem Satz formulieren
Alltagstext, Zahlen, lange Dokumente oder Code — entscheide dich für genau eine. Nicht die interessanteste, sondern die, die du diese Woche wirklich hattest.
Genau ein Modell laden
Eines, das unter deiner Obergrenze liegt und dessen Name zu deiner Aufgabe passt. Familie und Aufgabenwort merken, Nummer ignorieren. Kein zweites daneben zum Vergleichen.
Eine Woche arbeiten, dann erst bewerten
Nutze das Modell an echten Aufgaben und notiere, was dich konkret stört — falls überhaupt etwas. Erst dieser Notizzettel ist ein Grund zu wechseln. Alles andere ist Vergleichen.

Typische Fehler — und wie du sie vermeidest

Die fünf Irrtümer, die aus einer Zehn-Minuten-Entscheidung eine wochenlange Recherche machen:

Nach dem besten Modell suchen
Die Frage hat keine Antwort, deshalb endet die Suche nie. Ersetze sie durch zwei beantwortbare Fragen: Was passt in meinen Speicher, und zu welcher Aufgabe gehört es?
Die Parameterzahl für eine Qualitätsnote halten
Innerhalb derselben Familie kann ein grösseres Modell durchaus mehr — die Zahl allein sagt aber nichts über die Eignung. Und ein Modell, das nicht in deinen Arbeitsspeicher passt, ist für dich das schlechtere, egal was es anderswo kann.
Sich eine Versionsnummer merken
Nummern veralten schneller als jeder Artikel darüber. Wer sich Familie und Aufgabenwort merkt, findet die aktuelle Ausgabe jederzeit selbst; wer sich die Nummer merkt, sucht in einem halben Jahr etwas, das es nicht mehr gibt.
Drei Modelle parallel testen
Der Vergleich kostet Speicher, Zeit und Aufmerksamkeit und liefert am Ende ein Gefühl statt eines Ergebnisses. Ein Modell, mit dem du eine Woche echt gearbeitet hast, sagt dir mehr als drei, die du gegeneinander abgewogen hast.
Auf das grösste Modell gehen, das gerade noch läuft
Wenn nichts mehr Luft hat, wird das ganze Gerät zäh — und du gibst die Sache auf, bevor sie sich gelohnt hat. Plane bewusst Reserve ein, statt die Obergrenze auszureizen.

Fazit

Die Wahl deines ersten lokalen Modells besteht aus zwei Schritten, nicht aus einer Recherche: Rechne mit der Faustregel aus, was auf dein Gerät passt, und nimm eines, dessen Name zu deiner häufigsten Aufgabe passt. Die Zahl im Namen ist dabei eine Grössenangabe, keine Note — und das grösste, das bei dir nicht läuft, nützt dir gar nichts. Und für den Anfang reicht ein einziges Modell — angefangen hat es hier auch mit einem, und das war langsam.

Dafür brauchst du keinen Termin: Nimm den ersten Praxisschritt und setz ihn heute an einem echten Fall um. Hängst du fest, findest du im Lernbereich das passende nächste Modul. Hilfe zur Selbsthilfe.

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Häufige Fragen

Was bedeutet das B im Modellnamen, zum Beispiel bei 8B?

Das B steht für Milliarden. Ein 8B-Modell besteht aus rund 8 Milliarden Parametern — vereinfacht gesagt aus 8 Milliarden Stellschrauben. Die Zahl ist eine Grössenangabe: Sie sagt, wie gross das Modell ist. Innerhalb derselben Familie kann ein grösseres durchaus mehr — nur nützt dir das grösste gar nichts, wenn es bei dir nicht läuft.

Wie viel Speicher braucht ein Modell wirklich?

Als Faustregel: grob 0,6 bis 0,7 Gigabyte pro Milliarde Parameter in der Standard-Kompression, in der Ollama Modelle ausliefert. Ein 8B-Modell landet damit bei rund 5 Gigabyte, dazu kommt Luft für alles andere, was auf deinem Gerät läuft. Das ist eine Schätzhilfe, kein exakter Wert — aber sie reicht, um in zehn Sekunden zu entscheiden.

Ist ein grösseres Modell automatisch besser?

Nein. Grösser heisst grösser, nicht besser. Ein Modell, das nicht vollständig in deinen Arbeitsspeicher passt, ist für dich das schlechtere — unabhängig davon, was es auf einem anderen Gerät leisten würde. Und für viele Alltagsaufgaben merkst du zwischen zwei Grössenklassen ohnehin keinen Unterschied, der die Wartezeit rechtfertigt.

Welche Modellfamilien gibt es und welche nehme ich?

Verbreitet sind unter anderem Llama, Qwen, Gemma und Hermes. Welche Aufgabe ein Modell hat, steht aber nicht in der Familie, sondern als Wort im Namen: Steht dort coder, ist es für Code gebaut; steht dort math, fürs Rechnen; steht gar kein Aufgabenwort, ist es für Alltagstext — der Fall, den die meisten brauchen. Ein Beispiel ist qwen2-math für Rechenaufgaben — die Nummer darin ist längst nicht mehr die neueste, das Muster im Namen aber schon. Bei manchen Familien steht das Aufgabenwort vorne statt hinten — die Code-Ausgabe von Gemma heisst codegemma, die von Llama codellama. Das Prinzip bleibt dasselbe: Das Wort sagt die Aufgabe, die Nummer sagt nur den Jahrgang.

Brauche ich für jede Aufgabe ein eigenes Modell?

Irgendwann vielleicht, am Anfang sicher nicht. Fang mit einem an und arbeite damit. Ein zweites lohnt sich erst, wenn dich beim ersten in deiner echten Arbeit etwas konkret stört — nicht, wenn du irgendwo liest, es gebe etwas Passenderes.

Lohnt sich das für einen kleinen Betrieb überhaupt?

Die Wahl selbst kostet dich zehn Minuten — eine Rechnung und eine Entscheidung. Die relevante Frage ist eine andere: Wie viele Aufgaben pro Woche gibst du heute nicht in eine Cloud-KI, weil der Inhalt zu heikel ist? Bleiben da regelmässig Fälle liegen, hast du einen belegten Bedarf.

Quellen & Zahlen

Die Grössen- und Speicherangaben in diesem Beitrag stammen direkt vom Hersteller. Wer nachrechnen will, kommt hier an die Originalwerte.

  • Modellübersicht (Library) Ollama Inc. — Dateigrössen der Modelle in GB — Beleg für die Faustregel 0,6–0,7 GB pro Milliarde Parameter
  • Context length (Dokumentation) Ollama Inc. — Warum über die Modelldatei hinaus Speicher nötig ist — Beleg für die eingeplante Reserve
  • Modell-Suche «math» Ollama Inc. — Beleg, dass das Aufgabenwort im Modellnamen steht — z. B. qwen2-math, mathstral

Abgerufen am 18. August 2026. Modellnamen und Dateigrössen ändern sich laufend — im Zweifel gilt der Wert auf der verlinkten Seite. Genau deshalb steht in diesem Beitrag keine Versionsempfehlung.

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  • PDF-Rechenblatt: Arbeitsspeicher eintragen, Obergrenze in Milliarden Parametern ablesen — einmal ausfüllen, danach nie wieder nachschlagen
  • Vorlage: Die häufigste Aufgabe in einem Satz festhalten, mit Feld für das gewählte Modell und die Woche-danach-Notiz
  • Direkt-Link zur ungelisteten Langversion des Videos

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