Wie du KI nutzt, um Verträge grob auf Schweizer Recht (OR) zu scannen
Zwei Dokumente, eine Suchfrage: Die KI zeigt dir, wo du in AGB wirklich hinschauen musst.
YouTube-Video wird erst beim Klick geladen · cookie- & trackingfrei bis zur Interaktion
Vierzig Seiten AGB — und du sollst unterschreiben. «Ich habe die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen und akzeptiere sie.» Niemand hat sie gelesen. Nicht beim Software-Abo, nicht bei der Versicherung, nicht beim neuen Lieferanten. Die Klausel, die dich später ärgert — automatische Verlängerung, einseitiges Änderungsrecht — steht trotzdem drin.
Die ehrliche Frage ist nicht: «Kann die KI das prüfen?» Kann sie nicht — und wer dir etwas anderes verspricht, verkauft dir Leichtsinn. Die richtige Frage ist: «Kann sie mir sagen, wo ich hinschauen muss?» Das kann sie ausgezeichnet. Der Hebel dabei ist nicht die Bewertung, sondern der Vergleich: zwei Anbieter, eine Suchfrage, nur die Abweichungen.
In diesem Artikel bekommst du die komplette Methode: die Haltung, die den Scan überhaupt erst brauchbar macht, den Vergleichs-Scan mit fertigem Prompt, die Suchliste mit sechs Mustern — und die klare Grenze, ab der ein Profi übernimmt.
Suchscheinwerfer, kein Gutachter — was der Vertrags-Scan ist
Bevor der erste Prompt geschrieben wird, muss die Haltung stimmen: Die KI ist bei Verträgen ein Suchscheinwerfer, kein Gutachter. Sie durchsucht ein mehrseitiges Dokument in Sekunden nach einem Muster — aber ob eine gefundene Klausel für dich ein Problem ist, entscheidet sie nicht. Sie liefert eine Vorselektion: Sie sagt dir, wo du selbst hinschauen musst.
Das ist keine Schwäche der Methode — das ist die Methode. Eine KI, die dir sagt «Dieser Vertrag ist in Ordnung», ist gefährlicher als gar keine KI: Du verlässt dich auf ein Urteil, das niemand verantwortet. Eine KI, die dir drei Fundstellen zeigt und den Rest dir überlässt, macht dich schneller, ohne dich übermütig zu machen.
Darum gilt von der ersten Minute an das Fundament dieser Lektion: Das ist eine Annäherung, keine Prüfung. Die KI findet Stellen, sie beurteilt sie nicht. Wenn wirklich etwas dranhängt — Geld, Haftung, Unterschrift —, liest ein Profi. Nicht die KI, und auch nicht du allein.
Der Vergleichs-Scan: zwei Dokumente, eine Suchfrage, nur Abweichungen
Der grösste Fehler beim Vertrags-Scan ist die offene Frage: «Was hältst du von diesen AGB?» Darauf bekommst du eine höfliche Zusammenfassung — und genau die Stellen, die du sehen müsstest, sind weggeglättet. Der Hebel ist ein anderer: Nicht bewerten lassen — vergleichen lassen.
Du nimmst zwei Anbieter mit demselben Produkt und gibst der KI beide AGB. Dazu eine klar definierte Suchfrage — zum Beispiel: automatische Verlängerung und Kündigungsfrist. Und dann willst du nur eines sehen: die Abweichungen zwischen den beiden Dokumenten.
Warum der Vergleich mehr bringt als das Einzeldokument: Ein Muster fällt erst auf, wenn es eine Gegenprobe gibt. Liest du ein Dokument allein, wirkt jede Klausel normal — du hast keinen Massstab. Erst wenn Anbieter B an derselben Stelle drei Monate Kündigungsfrist schreibt, wo Anbieter A zwölf verlangt, siehst du: Da ist etwas. Die KI verkürzt vierzig Seiten auf drei Stellen — und genau da liest der Mensch.
Zur Abgrenzung: Das ist nicht der Schweiz-Kontext-Block aus der Lektion «Wie du komplexe US-Prompts auf den Schweizer Markt übersetzt» — dort ging es darum, der KI deinen Markt beizubringen, bevor sie für dich schreibt. Hier bringen wir ihr nichts bei: Wir lassen sie suchen, in einem Dokument, das schon existiert.
Sechs Muster, nach denen sich fragen lohnt — und der fertige Prompt
Wonach suchen? Sechs Muster lohnen sich in fast jedem Vertrag:
- Automatische Verlängerung — verlängert sich der Vertrag stillschweigend, und um wie lange?
- Kündigungsfrist — wie lange vorher musst du kündigen, und in welcher Form?
- Gerichtsstand und anwendbares Recht — gilt Schweizer Recht, oder klagst du im Zweifel im Ausland?
- Haftungs- und Gewährleistungsausschluss — wofür übernimmt der Anbieter ausdrücklich keine Verantwortung?
- Einseitige Änderungsrechte — darf der Anbieter Preise oder Bedingungen ohne deine Zustimmung ändern?
- Zahlungs- und Verzugsklauseln — was passiert bei verspäteter Zahlung, welche Gebühren kommen dazu?
Ein Satz gehört zusätzlich in den Prompt: nach Schweizer Recht, dem OR. In der US-Prompts-Lektion hiess es: «Wenn du nichts sagst, bekommst du Amerika.» Das gilt auch hier — ohne die Ansage sucht die KI mit dem Rechtsverständnis, das sie am häufigsten gelesen hat. Ein Satz genügt; mehr Rechtskontext braucht der Scan nicht.
Hier sind die AGB von Anbieter A und Anbieter B (gleiches Produkt).
Vergleiche sie nach Schweizer Recht (OR) auf genau ein Muster:
[automatische Verlängerung und Kündigungsfrist].
Zeig mir nur die Abweichungen zwischen den beiden.
Zitiere zu jeder Fundstelle die wörtliche Klausel mit Abschnitt.
Wenn du zu einem Punkt nichts findest, schreib NICHT GEFUNDEN.
Keine Bewertung — nur Fundstellen.
Die wichtigste Zeile ist die letzte: keine Bewertung — nur Fundstellen. Sie hält die KI in ihrer Rolle als Suchscheinwerfer — und dich in deiner Rolle als der, der liest und entscheidet.
An der Fundstelle nachbohren — mit Fundstellen-Zwang
Die Fundstellen sind erst der Anfang. Die Kernbewegung des Scans ist das Durchfragen: nicht eine Frage stellen und zufrieden sein, sondern an jeder Fundstelle nachbohren. Was steht da genau? Wo steht das Gleiche beim anderen Anbieter? Gibt es weitere Stellen im Dokument zum selben Thema? Jede Antwort öffnet die nächste Frage — so arbeitest du dich Schritt für Schritt durch die drei Stellen, die der Scan dir gezeigt hat.
Damit dir die KI dabei nichts vormacht, gilt der Fundstellen-Zwang aus der Lektion «Wie du Zahlen aus PDFs extrahierst, ohne dass die KI halluziniert»: Lass dir zu jeder Aussage die wörtliche Klausel zitieren, mit Abschnitt. Findet die KI nichts, schreibt sie «NICHT GEFUNDEN» — statt eine plausible Klausel zu erfinden. Dort galt: Verlang die Fundstelle und prüf selbst. Bei Verträgen gilt es doppelt, denn hier ist die erfundene Klausel so unsichtbar wie die falsche Zahl.
Die Stichprobe gehört dazu: Nimm mindestens zwei zitierte Klauseln und such sie im Originaldokument. Stimmen Wortlaut und Abschnitt, kannst du dem Rest des Scans mit Augenmass vertrauen. Stimmen sie nicht, weisst du es nach zwei Minuten — und nicht erst nach der Unterschrift.
Der Kauf-Check, Versicherungs-AGB — und was nicht in die Cloud gehört
Der häufigste Einsatz in der Praxis ist der Kauf-Check: Bevor du bei einer Firma bestellst oder ein Abo abschliesst, scannst du ihre AGB und schaust, ob versteckte Klauseln drin sind — und wie sie im Vergleich zum zweiten Anbieter dastehen. Das dauert zehn Minuten statt eines Abends und macht aus dem blinden Häkchen bei «AGB akzeptieren» eine informierte Entscheidung.
Genauso gut funktioniert es bei Versicherungen mit ihren ellenlangen Bedingungen: Interessant ist die Lektüre nicht — aber als schnelle Selektion, welche Abschnitte du vor dem Abschluss wirklich lesen solltest, ist der Scan ideal. Zwei Angebote, eine Suchfrage nach Deckungsausschlüssen, nur die Abweichungen: Danach weisst du, worüber du mit dem Berater sprechen musst.
Zwei Sätze zum Datenschutz, denn die Frage kommt beim Hochladen sofort: Bei fremden oder heiklen Verträgen gilt — nicht in die Cloud. Öffentliche AGB von der Website eines Anbieters sind unkritisch; der Arbeitsvertrag eines Bekannten oder ein vertraulicher Kundenvertrag sind es nicht. Welche Daten du niemals in eine Cloud-KI gibst, bekommt in diesem Modul eine eigene Lektion.
In 5 Schritten — direkt anwendbar
Typische Fehler — und wie du sie vermeidest
Die fünf Fallen, die aus der Vorselektion ein falsches Sicherheitsgefühl machen:
Fazit
Der Vertrags-Scan dreht die falsche Frage um: Nicht «Kann die KI Verträge prüfen?» — kann sie nicht —, sondern «Kann sie mir zeigen, wo ich hinschauen muss?». Mit dem Vergleichs-Scan über zwei Anbieter, einer Suchfrage und dem Fundstellen-Zwang werden aus vierzig Seiten AGB drei Stellen, die du wirklich liest. Und die Grenze bleibt klar: Annäherung, kein Gutachten — bei Geld, Haftung und Unterschrift liest ein Profi.
Die 90 Prozent hast du jetzt: die Haltung, den Vergleichs-Scan, die Suchliste mit sechs Mustern, den fertigen Prompt und die Stichproben-Routine. Die restlichen 10 Prozent sind deine Umsetzung — deine Verträge, deine Suchfragen, dein Gespür dafür, wann der Scan reicht und wann der Profi übernimmt.
Wenn du diese 10 Prozent nicht allein angehen willst, genau da kommt Coaching ins Spiel: In einem kostenlosen Erstgespräch nehmen wir einen echten Vertrag aus deinem Alltag und bauen deinen Scan-Ablauf am konkreten Fall — bis die Routine sitzt und du weisst, wo deine Grenze liegt.
30 Minuten. Dein Vertrag. Dein Scan-Ablauf.
Buch dir ein kostenloses 30-Minuten-Erstgespräch — wir nehmen einen echten Vertrag aus deinem Alltag, definieren deine Suchfrage und gehen den Vergleichs-Scan einmal komplett durch. Du gehst mit einer Routine raus, die du beim nächsten Angebot sofort anwendest — inklusive der Grenze, ab der du den Profi holst.
Kostenloses Erstgespräch buchenHäufige Fragen
Ersetzt der KI-Scan den Anwalt oder die Rechtsberatung?
Nein — und das ist der Kern der Methode. Der Scan ist eine Vorselektion: Er zeigt dir, wo du hinschauen musst, damit du informierter liest und gezielter fragst. Sobald Geld, Haftung oder eine Unterschrift dranhängen, liest ein Profi. Der Scan macht dessen Arbeit sogar effizienter: Du kommst mit drei konkreten Fragen statt mit vierzig unklaren Seiten.
Darf ich einfach jeden Vertrag in ChatGPT hochladen?
Nein. Öffentlich zugängliche AGB von der Website eines Anbieters sind unkritisch — die kann jeder lesen. Fremde Verträge, vertrauliche Kundenverträge oder Dokumente mit Personendaten gehören dagegen nicht in eine Cloud-KI. Im Zweifel: nicht hochladen. Welche Daten du niemals in eine Cloud-KI gibst, behandelt eine eigene Lektion in diesem Modul.
Was mache ich, wenn die KI eine Klausel findet, die ich nicht verstehe?
Durchfragen — an der Fundstelle, nicht allgemein: «Erklär mir diese Klausel in einfachen Worten. Was würde sie in diesem konkreten Fall bedeuten? Wo weicht der andere Anbieter ab?» Wichtig: Die Erklärung ist eine Verständnishilfe, kein Rechtsrat. Wenn die Klausel für deine Entscheidung wesentlich ist und du unsicher bleibst, ist genau das der Moment für den Profi — nicht für eine weitere KI-Runde.
Kann ich mich darauf verlassen, dass die KI nichts übersehen hat?
Nein — und das solltest du auch nicht erwarten. Der Scan ist eine Annäherung: Er findet vieles schnell, aber er garantiert keine Vollständigkeit. Darum arbeitest du mit einer klaren Suchfrage pro Durchgang, verlangst wörtliche Zitate und machst die Stichprobe im Original. Der Scan ersetzt nicht das Lesen — er sagt dir, wo sich das Lesen lohnt.
Funktioniert das auch bei Versicherungs-AGB und langen Bedingungswerken?
Gerade dort. Versicherungsbedingungen sind lang, gleichförmig und niemand liest sie freiwillig — ideale Bedingungen für die Vorselektion. Zwei Angebote, eine Suchfrage nach Deckungsausschlüssen oder Kündigungsregeln, nur die Abweichungen: Danach weisst du, welche Abschnitte du selbst liest und worüber du mit dem Berater sprichst. Wenn du deinen eigenen Scan-Ablauf aufbauen willst: Erstgespräch buchen — kostenlos.
Lieber als PDF mitnehmen?
Den vollständigen Inhalt dieser Seite gibt es zusätzlich als strukturiertes PDF-Paket — zum Offline-Lesen, Markieren und Weitergeben im Team. Eine reine Komfort-Leistung. Der gesamte Inhalt bleibt weiter kostenlos auf dieser Seite — kein Login, keine Paywall, kein versteckter Bezahl-Inhalt.
Was im Paket enthalten ist
- PDF-Checkliste: Die sechs Suchmuster (Verlängerung, Kündigungsfrist, Gerichtsstand, Haftung, Änderungsrechte, Zahlung) zum Abhaken
- Vorlage: Der fertige Vergleichs-Prompt nach Schweizer Recht (OR) plus Feld für deine eigene Suchfrage
- Direkt-Link zur ungelisteten Langversion des Videos
9 EUR · einmalig · ohne Abo
Auf CopeCart öffnen →Abwicklung über CopeCart GmbH (DE) als Merchant of Record. Details in AGB §12.